Schwarzbuch Ghostwriting

Gesetzesvorschlag

Inhalt
I. Einheitliche Rahmenbedingung für Hochschulen
II. Appelle an wissenschaftliche Integrität genügen nicht
III. Neuer Straftatbestand für Täuschung durch Ghostwriting
IV. Gesetzesvorschlag zur Täuschung durch Ghostwriting
VI. Weiterführende Literatur: Ausgewählte Medienbeträge

I. Einheitliche Rahmenbedingung für Hochschulen
Die deutschen Hochschulen sind im Umgang mit Ghostwriting nicht untätig. Besonders die Verbesserung des Betreuungsangebotes für Studierende und angehende Absolventen, soll der Ghostwriting-Praxis beikommen. Unter dem Aspekt, dass viele Ghostwriting-Agenturen mit Hilfestellung und Unterstützung werben und dadurch suggerieren, die Studierenden aufzufangen, wenn diesen der universitäre Alltag, mit seinen zahlreichen Herausforderungen, über den Kopf hinaus wächst, scheint es nur ein logischer Schritt zu sein, dass die Hochschulen, durch eine Verbesserung der Betreuungsangebote, diese Aufgabe noch entschiedener unter ihrem Dach bewerkstelligen wollen. Unabhängig davon, sollten sich die Akteure des Wissenschaftsbetriebs darüber einig sein, dass sowohl das Anbieten als auch die Inanspruchnahme von Ghostwriting-Dienstleistungen keine Kavaliersdelikte sein dürfen. – Gleicheres gilt für Verstöße gegen die Regelungen der Eidesstattlichen Versicherung. In diesem Zusammenhang wäre es alsdann begrüßenswert, wenn sich die deutschen Hochschulen auf eine für alle gleichermaßen geltende Form zur Erklärung der Selbstständigkeit und der guten wissenschaftlichen Praxis für Leistungs- und Qualifikationsnachweise verständigen würden. Aktuell arbeiten die Hochschulen diesbezüglich mit unterschiedlichen Verfahrenstechniken. Während einige von ihren Prüfungskandidaten eine Eidesstattliche Versicherung fordern, genügt an anderen Universitäten und Hochschuleinrichtungen eine Ehrenwörtliche Erklärung oder auch eine Selbstständigkeitserklärung. Wünschenswert wäre eine die gesamte deutsche Hochschullandschaft abdeckende Einführung der Versicherung an Eides statt und zwar für alle wissenschaftlichen Leistungsnachweise und Qualifikationsarbeiten. Anders als die Ehrenwörtliche Erklärung oder die Selbstständigkeitserklärung, bei denen es sich lediglich um bloße Formsachen handelt, steht die Eidesstattliche Erklärung in einem konkreten Bezug zum Strafgesetzbuch, welcher der Versicherung an Eides statt den Charakter der Verbindlichkeit verleiht. Verstöße gegen eine Eidesstattliche Erklärung werden dadurch, sofern man eine derartige Täuschung nachweisen kann, strafrechtlich verfolgbar. Dabei sollten die Studierenden im Rahmen der Versicherung an Eides statt stets die Selbstständigkeit der zur Korrektur und Benotung eingereichten Qualifikationsleistung, aber auch das regelkonforme gute wissenschaftliche Arbeiten garantieren müssen. – Die Prüfungskandidaten sichern damit rechtlich verbindlich – und vor allem strafbewehrt – zu, die Leistung eigenständig (Ausschluss von Ghostwriting) als auch der guten wissenschaftlichen Praxis folgend (Ausschluss von erheblichen Zitationsverstößen beziehungsweise Plagiaten) erarbeitet zu haben.

II. Appelle an wissenschaftliche Integrität genügen nicht
Sowohl hinsichtlich einer Täuschung durch akademisches Ghostwriting, aber auch bezüglich der Verstoße gegen die gute wissenschaftliche Praxis reichen Appelle an die Integrität der Absolventen und Doktoranden alleine nicht mehr aus. Zwar unterhalten die meisten deutschen Hochschulen einen sogenannten Ehrenkodex, der über vorbildliches Arbeiten im akademischen Kontext universitärer Studien- und Qualifikationsarbeiten Auskunft gibt und welchem die Hochschulangehörigen verpflichtet sein sollten, eine Methode, dem Ghostwriting per se Einhalt zu gebieten, sind diese Kodizes nicht. Ghostwriting ist nicht nur eine schwer nachzuverfolgende Praxis der wissenschaftlichen Täuschung, sondern auch ein erhebliches Foulspiel gegenüber all jenen Studierenden, die sich verpflichtet fühlen, im Bezug auf die eigene Hochschule sowie die Kommilitonen, integer und aufrichtig zu agieren. Ghostwriting-Dienstleister nutzen den Arbeits- und Leistungsdruck während der Studien- und Qualifikationsphase der Studierenden durch das Suggerieren von partner- und freundschaftlicher Unterstützung sowie Nähe aus, um eigene wirtschaftliche Interessen im rechtlich kaum definierten Raum zu verfolgen. Das Bestreben muss also darin bestehen, kontinuierlich die Betreuungsangebote an den Hochschulen zu verbessern, um die Ghostwriting-Anbieter überflüssig zu machen, diesen aber zugleich, durch eine Gesetzesinitiative, das Geschäftsmodell ihrer Dienstleistungs-Praxis zu illegalisieren. – Schutzbehauptungen vieler Ghostwriting-Agenturen, in denen die Legalität des Ghostwritings dadurch betont werden soll, dass man keine abgabefertigen Arbeiten, sondern lediglich Mustervorlagen verfasst, sollen zukünftig keinen rechtlichen Bestand mehr haben.

III. Neuer Straftatbestand für Täuschung durch Ghostwriting
Grundsätzlich sind bei der rechtlichen Auseinandersetzung zur Ghostwriting-Praxis stets zweierlei Aspekte zu betrachten. Zum einen die bestehenden Regelungen, die für Verstöße gegen eine Eidesstattliche Erklärung greifen und zum anderen jene Handhabung, welche sich für das Anbieten und Inanspruchnehmen von Ghostwriting-Dienstleistungen manifestieren soll. Bezüglich des Umgangs mit Ghostwriting-Agenturen ist die aktuelle Rechtsprechung überaus liberal, da sie davon ausgeht, dass Dienstleistern, die „legales Ghostwriting“ anbieten, der Markt zum Offerieren ihrer Dienstleistungsgebote offenstehen muss. – Diese Anbieter verstehen ihr Angebot oftmals nur als Unterstützung und Hilfsmöglichkeit für die Studierenden, ihre Produkte nennen sie Mustervorlagen und in ihren Verträgen weisen sie darauf hin, dass das Einreichen nicht eigenständig verfasster Qualifikationsarbeiten nicht gestattet ist. Gegner dieser Praxis sehen darin bereits den vom Deutschen Hochschulverband beschriebenen „Wissenschaftsbetrug“. Denn fraglich bleibt natürlich, ob die Dienstleistungs-Anbieter einer derartigen Naivität anheimgefallen sind und annehmen, dass Auftraggeber, welche oftmals mehrere Tausende an Euro für das Abfassen einer sogenannten Vorlage ausgeben, weiterhin akzeptieren, dass die notwendige Eigenständigkeit der Leistung nur dann gewährleistet werden kann, wenn die Mustervorlagen so grundlegend und rudimentär gehalten sind, dass der größte Teil der Arbeit, aufgrund der Ausarbeitung der Vorlage, durch den Kunden selbst noch zu erbringen ist. Für die Praxis ist wohl durchaus anzunehmen, dass die Dienstleister ihren Auftraggebern die beauftrage Qualifikationsarbeit in abgabefertiger Form verfassen, dabei sowohl die Formatierungs- als auch Lektoratstätigkeiten übernehmen und dem Kunden abschließend einen zum sofortigen Einreichen erstellten Leistungsnachweis übermitteln. Sofern alle Vertragsparteien in diesem System Diskretion und Stillschweigen bewahren, scheint Ghostwriting eine besonders effektive Form der Wissenschaftstäuschung zu sein, da sich Arbeiten von Ghostwritern eben nicht von Leistungsnachweisen anderer, redlich arbeitender Studierender, unterscheiden lassen. Wahrscheinlich bleibt so auch der Verstoß gegen die Versicherung an Eides statt unbemerkt. Dieses Dilemma lässt sich nur schwerlich auflösen, da keiner der Vertragspartner Interesse am Aufbrechen der vereinbarten Anonymität und des gegenseitigen Schutzes hat. Solange es daher nicht möglich ist, Einzeltäter für ihr wissenschaftskriminelles Handeln zu belangen, muss die gesetzliche Möglichkeit geschaffen werden, den Anbietern von akademischen Ghostwriting-
Dienstleistungen das Geschäftsmodell zu erschweren. So sollte eine gesetzliche Regelung auch etwaige Fluchtversuche in rechtliche Grauzonen, wie sie etwa in den Wortkonstrukten „Mustervorlage“ oder „Schreibvorlage“ bestehen, verunmöglichen.

IV. Gesetzesvorschlag zur Täuschung durch Ghostwriting
Eine neue Gesetzgebung, deren Anliegen es ist, dem akademischen Ghostwriting durch Strafandrohung beizukommen, müsste – sofern nachweisbar – nicht nur bei den Studierenden, wegen eines  Verstoßes gegen die Eidesstattliche Versicherung greifen, sondern auch den Ghostwriting-Dienstleistern mitsamt ihrer Ghost-Autoren etwas entgegensetzen. Der Entwertung der akademischen Grade und Titel, aufgrund von Täuschung mit aus Ghostwriting-Dienstleistungen hervorgegangenen Qualifikationsarbeiten, kann man wohl nur durch eine Verschärfung der Abschreckungsinstrumente entgegenwirken. Deshalb unterbreitet die Initiative 'Schwarzbuch Ghostwriting', in namentlicher Vertretung durch Florian Zach M.A., folgenden Gesetzesvorschlag zur Aufnahme in das Strafgesetzbuch:
 
„(1) Wer eine wissenschaftliche Qualifikationsarbeit, die zur Erlangung eines akademischen Grades oder eines akademischen Titels dient, welche von einem Dritten ganz oder teilweise verfasst wurde, als eigene ausgibt, ohne der tatsächliche Urheber der Qualifikationsarbeit zu sein, wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
 
(2) Wer eine wissenschaftliche Qualifikationsarbeit, die zur Erlangung eines akademischen Grades oder eines akademischen Titels dient, für einen Dritten ganz oder teilweise verfasst, unabhängig davon, ob dafür eine irgendwie geartete finanzielle Aufwandsentschädigung erfolgt, wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
 
(3) Wer als Vertragspartner zwischen einem Auftraggeber und einem zur Verfassung einer wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit, die der Erlangung eines akademischen Grades oder eines akademischen Titels dient, von diesem Vertragspartner verpflichteten Dritten, vermittelnd tätig wird, wird, unabhängig davon, ob für die Vermittlungstätigkeit eine irgendwie geartete finanzielle Aufwandsentschädigung erfolgt, mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einen Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
 
(4) Der Versuch ist strafbar."
 
VI. Weiterführende Literatur: Ausgewählte Medienbeiträge
• „Warum Ghostwriting die Karriere gefährdet“: Stellungnahme der Pressestelle der Universität des Saarlandes für den Internetauftritt der Universität vom 17. April 2018. Die Stellungnahme können Sie hier (es erfolgt eine Weiterleitung zu uni-saarland.de) abrufen.


„Der erschlichene Abschluss“: Beitrag von Sabine Olschner über Ghostwriting bei juristischen Studien- und Qualifizierungsleistungen für die Legal Tribune Online vom 20. Juli 2017. Den Beitrag können Sie hier (es erfolgt eine Weiterleitung zu lto.de) abrufen.

„So arbeitet eine Ghostwriterin“: Beitrag von Miriam Binner über die Arbeit einer Ghostwriterin für die Süddeutsche Zeitung vom 24. Januar 2017. Den Beitrag können Sie hier (es erfolgt eine Weiterleitung zu sueddeutsche.de) abrufen.

„Die Arroganz vieler Ghostwriter empört mich“: Interview von Marie Gamillscheg und Oskar Piegsa mit dem Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes für die Zeit Online vom 08. April 2015. Das Interview können Sie hier (es erfolgt eine Weiterleitung zu zeit.de) abrufen.

„Von Geisterhand“: Interview von Matthias Kohlmaier mit dem Inhaber einer Ghostwriting-Agentur für die Süddeutsche Zeitung vom 16. Februar 2015. Das Interview können Sie hier (es erfolgt eine Weiterleitung zu sueddeutsche.de) abrufen.

„Wir lassen uns Ghostwriting nicht verbieten“: Interview von Ruben Karschnick mit einem Mitinhaber einer Ghostwriting-Agentur für die Zeit Online vom 09. August 2012. Das Interview können Sie hier (es erfolgt eine Weiterleitung zu zeit.de) abrufen.

„Wissenschaftsbetrug ist kriminell“: Stellungnahme der Pressestelle des Deutschen Hochschulverbandes für den Internetauftritt des Verbandes vom 06. August 2012. Die Stellungnahme können Sie hier (es erfolgt eine Weiterleitung zu hochschulverband.de) abrufen.