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 Ghostwriting

Ghostwriting


Schon im alten Rom soll es Ghostwriter gegeben haben, die sich als talentierte Redenschreiber für ihre Herren verdingten. Und die Ghostwriter gibt es in der Literatur- und Buchbranche nach wie vor. Sie arbeiten beispielsweise als Auftragsschreiber für Prominenten-Autobiographien. Doch von den Wissenschafts-Ghostwritern sind sie dezidiert zu unterscheiden. Beim akademischen Ghostwriting lassen sich Studierende, meist vermittelt durch eine Ghostwriting-Agentur, universitäre Leistungs- und Qualifikationsarbeiten wie Seminar- und Hausarbeiten, aber auch Bachelor- und Masterabschlussarbeiten von einem verpflichteten Dritten – dem Ghostwriter – verfassen, obwohl die Prüfungsordnungen die selbstständige Erarbeitung dieser Leistungen verlangen. Im Wissenschaftsbetrieb stößt dieses Agieren, ähnlich wie das Plagiieren, auf Ablehnung. In Form von neun Fragen haben wir hier die drängendsten Aspekte des Wissenschafts-Ghostwritings zusammengetragen und dokumentarisch beantwortet.
 
Was ist eigentlich akademisches Ghostwriting und warum ist es überhaupt ein Problem?
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Bei einem Ghostwriter handelt es sich um einen Autor, der sowohl im Auftrag als auch im Namen einer anderen Person schreibt. Eine häufige Verwendung findet das Ghostwriting bei Buch- und Literaturverlagen. Oftmals werden von den Verlagen Ghostwriter verpflichtet, um im Namen einer bestimmten, oftmals prominenten Person, eine biographische Arbeit über ebendiese zu verfassen. In diesem Kontext wird der Ghostwriter üblicherweise auf dem Buchumschlag und / oder im Buch benannt. Beim akademischen Ghostwriting hingegen lassen sich Studierende, meist vermittelt durch eine Ghostwriting-Agentur, universitäre Leistungs- und Qualifikationsarbeiten wie Seminar- und Hausarbeiten, aber auch Bachelor- und Masterabschlussarbeiten von einem verpflichteten Dritten, dem Ghostwriter, verfassen. Die Praxis des akademischen Ghostwritings stößt in weiten Teilen des Wissenschaftsbetriebs auf breite Ablehnung und widerspricht nicht nur den Prüfungsordnungen der Hochschulen, sondern auch der Eidesstattlichen Erklärung, welche den Qualifikationsarbeiten handschriftlich unterzeichnet beizufügen ist. Das akademische Ghostwriting ist dabei vom Plagiat zu unterscheiden. Während sich das akademische Ghostwriting der notwendigen Bedingung der eigenständigen Erarbeitung einer wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit verwahrt, bezeichnet ein Plagiat die Nutzung eines von einem anderen Verfasser anderswo veröffentlichten Textes, in seiner Gesamtheit oder seiner Teile, ohne diesen bestimmten Text dabei, durch entsprechende Quellen- und Zitationsverweise, als Leistung des anderen Autors kenntlich zu machen. Wissenschaftliche Plagiate sind in den vergangenen Jahren gleich mehrfach, vor allem aufgrund ihrer nicht selten prominenten Verursacher, an die Öffentlichkeit geraten. Demgegenüber steht eine, wahrscheinlich nicht minderkleine Anzahl an Trägern akademischer Grade und Titel, deren Qualifikationsarbeiten aus der Feder eines Ghostwriters stammen. Für Probleme bei der Ahndung dieser wissenschaftlichen Täuschung sorgt die schwierige Verfolgbarkeit dieses Vergehens, aber auch die, in diesem Zusammenhang, recht uneinheitliche Rechtsprechung.
 
Wie verbreitet ist akademisches Ghostwriting und warum scheint es so beliebt?
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Die Praxis des akademischen Ghostwritings ist schwer nachzuverfolgen, wodurch sich vor allem die rechtliche Ahnung der – meist unter dem Deckmantel einer risikolosen Dienstleistung getarnten Art des Wissenschaftsbetrugs – als außerordentlich schwierig erweist. Darüber hinaus fehlen belastbare Untersuchungen, über die tatsächliche Verbreitung des akademischen Ghostwritings unter Studierenden und anderen Hochschulangehörigen. Obwohl sich Ghostwriting-Agenturen im Internet recht selbstbewusst präsentieren und man so zumindest ihre Anzahl relativ gut erwägen kann, bleibt die Zahl jener, die sich einen Auftragsschreiber verpflichten, im Nebulösen. Es gibt Schätzungen, von mit diesem Sujet betrauten Wissenschaftlern, die davon ausgehen, dass an deutschen Hochschulen jährlich zwischen 5.000 und 10.000 durch Ghostwriting entstandene Seminar- und Qualifikationsarbeiten eingereicht werden. Ghostwriting-Agenturen verstehen sich in ihrem Angebot immer als die Freunde und Partner der Studierenden. Sie sehen sich selbst als jene Akteure, auf die sich die angehenden Absolventen verlassen können, wenn ihnen der universitäre Alltag über den Kopf hinaus wächst. Darin besteht dann auch die Werbebotschaft dieser Dienstleister. Sie werben um Studierende, die nicht genau wissen, was sie für eine Seminar- oder Abschlussarbeit leisten müssen, um solche, denen das Abfassen wissenschaftlicher Texte nicht besonders liegt und auch um jene, denen dieser Teil der akademischen Qualifikation schlichtweg zu anstrengend ist. Dass man so Studierende ohne große finanzielle Not, dafür aber mit wenig wissenschaftlichem Elan anlockt, wird von den Anbietern billigend in Kauf genommen.
 
Welche Leistungen erbringen akademische Ghostwriter und Ghostwriting-Agenturen?
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Im Angebot haben die Ghostwriting-Agenturen meist sämtliche Formen der schriftlichen Leistungs- beziehungsweise Qualifikationsnachweise, für einen breiten Querschnitt an akademischen Disziplinen: Seminar- und Hausarbeiten, Essays, Präsentationen, Exposés, juristische Gutachten, aber auch Bachelor- sowie Masterabschlussarbeiten und sogar ganze Dissertationen. Die Preise für diese Dienstleistung variieren zwischen den verschiedenen Anbietern nur geringfügig. – Eine Bachelorarbeit für 3.000 Euro, eine Masterarbeit für 7.000 Euro oder eine Dissertation für 30.000 Euro. Bei einem großen Teil dieser Agenturen ist ein Abschlusslektorat sowie eine Plagiatsprüfung des durch den Ghostwriter verfassten Textes im Angebot enthalten. Die meisten Ghostwriting-Anbieter kontaktiert man bequem über ein Anfrageformular auf der Internetseite des Unternehmens. Viele Angaben sind dafür nicht notwendig. Meist reichen der Name und die E-Mail-Adresse sowie einige Informationen – Thema, Art und Umfang der Arbeit sowie Bearbeitungszeit – über das Projekt aus, welches man an den Dienstleister geben möchte. Das Versprechen der Agenturen besteht dann darin, dass sie für jeden potenziellen Auftraggeber ein auf ihn abgestimmtes und passendes Angebotspaket schnüren. Akzeptiert der Auftraggeber das Angebot, wird er mit einem für die Agentur tätigen Ghostwriter zusammengebracht. Absolute Anonymität und Diskretion stehen dabei an erster Stelle. Für den Austausch zwischen Auftraggeber und Ghostwriter stellen die Anbieter oftmals ein virtuelles Arbeitszimmer zur Verfügung. Solche Plattformen sind nicht selten die einzige Schnittstelle zwischen den Vertragspartnern und sollen die Anonymität der Beteiligten gewährleisten. Nach Abschluss des Auftrages, so versprechen es die Anbieter, werden alle Informationen über den Auftraggeber unwiederbringlich gelöscht. Die Agenturen sichern ihren Auftraggebern vertraglich zu, dass die Urheber- und Nutzungsrechte an der entstandenen Arbeit vom Ghost-Autor an den Dienstleister und von diesem an den Auftraggeber abgetreten werden. Für die Agenturen arbeiten meist freiberufliche Ghostwriter, Autoren, die sich selbst durch einen hochwertigen akademischen Abschluss qualifiziert haben. An dieser Tätigkeit Interessierte finden über die Internetseiten der Anbieter meist einen kurzen Weg zu den Agenturen. – Oftmals genügt das Hochladen des universitären Abschlusszeugnisses und eines Lebenslaufes. Wohl ein Drittel des Preises für die beauftrage Dienstleistung geht im Durchschnitt als Honorar an die Autoren; für eine Masterabschlussarbeit beläuft sich die Vergütung für den Ghostwriter dem folgend auf etwa 2.000 bis 2.500 Euro. Auch für die Autoren garantieren die Anbieter absolute Anonymität. Zwar werben die meisten Dienstleister auf ihren Websites mit einem großen und hochqualifizierten Pool an Fachautoren, doch keiner von ihnen wird beispielsweise zur Unterstreichung der Agenturreputation benannt oder in irgendeiner anderen Weise vorgestellt.
 
Wie arbeiten Ghostwritung-Agenturen und warum wirkt die Dienstleistung so unverdächtig?
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Ghostwriting ist zwar ein altes Geschäft, schon antike Redner sollen sich von talentierten Schreibern Vortragstexte als Auftragsarbeiten verfassen haben lassen, was aber die Praxis das akademischen Ghostwritings nicht ehrbarer macht. Wer Ghostwriting-Dienstleistung für den akademischen Bereich anbietet oder in Anspruch nimmt, bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Jeder universitäre schriftliche Leistungs- beziehungsweise Qualifikationsnachweis beinhaltet eine sogenannte Eidesstattliche Erklärung beziehungsweise eine Versicherung an Eides statt, in der vom Einreichenden der akademischen Arbeit bezeugt wird, dass er die zur Korrektur und Bewertung dargetane Arbeit selbstständig, ohne fremde Hilfe und lediglich mit den im Literatur- und Quellenverzeichnis gelisteten Ressourcen verfasst hat. Wer diese Selbstständigkeit versichert, ohne den Leistungsnachweis selbst verfasst zu haben, macht sich einer Täuschung schuldig. Den Ghostwriting-Agenturen ist der Umstand, dass Hochschularbeiten eigentlich von den Studierenden eigenständig verfasst werden müssen, nicht unbekannt, weswegen die Dienstleister es vermeiden, davon zu sprechen, dass sie abgabefertige Studien- und Qualifikationsarbeiten an den Kunden bereitsstellen. Eigentlich alle aktiven Anbieter versuchen durch Taschenspielertricks die geltende Gesetzeslage auszuhebeln. – So nennen sie ihre Dienstleistung nicht etwa Masterarbeit schreiben lassen, sondern Vorlage für die Masterarbeit schreiben lassen. Außerdem weisen die Agenturen im Kleingedruckten des Vertrages, der für jeden Ghostwriting-Auftrag zwischen Anbieter und Auftraggeber geschlossen wird, darauf hin, dass eine nicht eigenständige verfasste Arbeit nicht als solche an der Universität eingereicht werden darf. Viele der Dienstleister verstehen ihr Angebot darüber hinaus oftmals nicht als klassisches Ghostwriting, sondern vielmehr als Coaching oder Hilfestellung. Die Kniffe der Agenturen sind offensichtlich und wollen die eigentliche Illegalität der Ghostwriting-Praxis lediglich verschleiern. Fraglich muss bei dieser Arbeitsweise allerdings schon bleiben, ob man sich der Mittäterschaft einfach dadurch entledigen kann, wenn man die eigentliche Dienstleistung hinter einem konstruierten Coaching- und Vorlagensystem verbirgt. – Soll doch das Begriffskonstrukt Vorlage suggerieren, dass der Auftraggeber zwar eine Ressource zur Verfügung gestellt bekommt, diese dabei aber so rudimentär und grundlegend ist, dass er durch die Aufarbeitung des Materials noch genügend eigenständige Leistung einbringen muss, um aus dieser Vorlage eine abgabefertige Qualifikationsarbeit zu erstellen. Abgesehen davon, ist zu bezweifeln, ob die Bereitschaft der Auftraggeber derart groß ist, beispielsweise für eine Vorlage zu einer Masterarbeit 7.000 Euro und auch mehr zu bezahlen, um dann allerdings selbst den größten Teil der Arbeit erledigen zu müssen.
 
Warum ist Ghostwriting ein Verstoß gegen die Selbstständigkeit einer akademischen Leistung?
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Wer an einer deutschen Hochschule eine wissenschaftliche Studien- beziehungsweise Qualifikationsarbeit zur Korrektur und Benotung für die Erlangung eines akademischen Leistungsnachweises oder einer Graduierung einreicht und die Eigenleistung der Arbeit in der zur Studie gehörenden unterzeichneten Versicherung an Eides statt garantiert, ohne dabei die Leistung selbst erbracht zu haben, sondern lediglich eine fremde Arbeit als solche ausgibt, begeht eine Täuschung. Die sogenannte Eidesstattliche Versicherung oder auch Versicherung an Eides statt ist ein fester Bestandteil im akademischen Leistungsprozess; sie ist allen von Studierenden verfassten Studien- sowie Qualifikationsarbeiten beizufügen und zu unterzeichnen. – Sie soll die wissenschaftliche Integrität der Absolventen sichern. Inhaltlich berührt eine solche Erklärung zwei Aspekte. Zum einen wird die Selbstständigkeit des eingereichten Leistungsnachweises garantiert und zum anderen versichern die Studierenden, dass sie lediglich jene Ressourcen, welche im Literatur- und Quellenverzeichnis der Arbeit gelistet werden, zum Verfassen des Textes herangezogen haben. Wer nun eine durch einen Ghostwriter erarbeitete Studie als eigene Leistung deklariert, bricht die Eidesstattliche Erklärung und macht sich der Täuschung verantwortlich. Sollte der Ghostwriter Kenntnis davon haben, dass die von ihm verfasste Arbeit als eine Leistung einer anderen Person ausgegeben und eingereicht werden wird, macht sich der Ghostwriter der Mitwisserschaft zu dieser Täuschung schuldig. Verstöße gegen die garantierte Selbstständigkeit einer wissenschaftlichen Leistung können von den Hochschulen mit dem Nicht-Bestehen der Prüfung, dem Ausschluss von der Wiederholungsprüfung, mit Exmatrikulation oder – bei wissenschaftlichen Abschlussarbeiten – auch mit der Aberkennung des akademischen Grades geahndet werden. Des Weiteren können Verstöße gegen eine Versicherung an Eides statt nach § 156 des Strafgesetzbuches strafrechtlich belangt werden; dabei sind Geld- und Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren möglich. Aus juristischer Sicht gibt es einen Unterschied zwischen den Begriffen Eidesstattlicher Erklärung und Ehrenwörtliche Erklärung / Selbstständigkeitserklärung. Die Eidesstattliche Erklärung steht an Eides statt und stellt einen konkreten Bezug zu den §§ 156, 158 und 161 des Strafgesetzbuches her; die Selbstständigkeitserklärung tut dies nicht, weswegen man hier auch von einer Ehrenwörtliche Erklärung, im Sinne von Ich gebe dir mein Ehrenwort, spricht. Ein Verstoß gegen eine Eidesstattliche Erklärung kann die bereits oben genannten rechtlichen Folgen zur Konsequenz haben. Bei einer Versicherung an Eides statt handelt es sich nämlich um eine verbindliche Zusicherung und nicht nur, wie etwa bei einer bloßen Selbstständigkeitserklärung, um eine reine Formsache.
 
Warum ist es so schwer, akademisches Ghostwriting und die daran Beteiligten aufzudecken?
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Den Hochschulen fällt es schwer, einen derartigen Wissenschaftsbetrug überhaupt dingfest zu machen. Leistungsnachweise, die von Ghostwritern verfasst werden, unterscheiden sich nicht von jenen Arbeiten, die von anderen Studierenden in tatsächlicher Eigenständigkeit erarbeitet wurden. Ghostwriting wird so zu einer sehr sicher erscheinenden Form der wissenschaftlichen Täuschung. Einhalt kann man dem Treiben wohl nur durch eine Gesetzgebung bieten, die die Praxis des akademischen Ghostwritings per se als illegal einstuft. Im Frühsommer 2015 starteten die Schweizer Universitäten in Bern und Sankt Gallen dahingehend eine Initiative, indem sie gegen einen Ghostwriting-Anbieter Strafanzeigen wegen Mittäterschaft und Gehilfenschaft zur Urkundenfälschung und Betrug bei den Staatsanwaltschaften Zürich und Sankt Gallen stellte. Während die Staatsanwaltschaft Zürich die Ermittlung aufgrund der Absenz eines konkreten Falles einstellte, führte die Staatsanwaltschaft Sankt Gallen, in Zusammenarbeit mit der dortigen Universität, Recherchen im Umfeld der Studierendenschaft durch, um einen konkreten Fall des akademischen Ghostwritings aufzudecken und zur strafrechtlichen Verfolgung zu bringen. Aus einem Urteil des Oberlandesgerichtes Frankfurt am Main (Aktenzeichen: 11 U 51/08) vom Herbst 2009 zu einem Prozess um die zwischen Auftraggeber und Ghostwriter getroffene Vereinbarung über das Verschweigen der Urheberschaft seitens des Ghostwriters geht hervor, dass eine solche Vereinbarung grundsätzlich nicht zu beanstanden sei. In der Entscheidung des OLG wurde allerdings ein Fall von Ghostwriting, der außerhalb des Wissenschaftsbetriebs zu verorten ist, beurteilt. Das Urteil berührt damit keineswegs den Umstand, dass ein nicht eigenständig verfasster Leistungsnachweis nicht als solcher ausgegeben und an der Hochschule, unter Versicherung an Eides statt, zur Qualifikation eingereicht werden darf. Im Februar 2012 urteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf (Aktenzeichen: I-20 U 116/10), dass die Bezeichnung akademisches Ghostwriting irreführend sei, weil die zu den wissenschaftlichen Qualifizierungsarbeiten gehörende Eidesstattliche Versicherung eine solche Praxis ausschließen würde. Darüber hinaus dürfe die Arbeit eines Fremdautors nicht als die eigene deklariert und als solche zur wissenschaftlichen Begutachtung, mit dem Ziel der Erlangung eines akademischen Grades oder Titels, eingereicht werden. Das Gericht urteilte, dass jede Ghostwriter-Vereinbarung in dieser Hinsicht sittenwidrig und nichtig sei. Aus diesem Tenor kann allerdings nicht geschlossen werden, dass es sich bei dieser Handhabung auch um eine verbotene Handlung handelt; vielmehr wurden solche Handlungen zwar als rechtlich missbilligend, aber auch als nicht strafbare Tätigkeit eingestuft. In Deutschland existiert nach wie vor keine gesetzliche Grundlage, welche die Praxis des Ghostwritings sanktioniert. Sofern die erarbeiteten Studien eines Ghostwriters als Mustervorlagen deklariert werden, ist das Ghostwriting als Dienstleistung an sich weder rechtswidrig noch strafbar. Wer allerdings eine solche Vorlage, ohne sie in einem geeigneten Maße umgearbeitet zu haben, wodurch eine Eigenständigkeit der Leistung erkennbar werden würde, als selbstständig verfassten Leistungsnachweis zur Beurteilung einreicht und diese Eigenständigkeit in der Versicherung an Eides statt garantiert, bricht ebenjene verbindliche Zusicherung. Der Deutsche Hochschulverband, welcher bundesweit mehr als 27.000 Mitglieder vertritt, forderte den Gesetzgeber bereits im Sommer 2012 dazu auf, den neuen Straftatbestand Wissenschaftsbetrug in Zusammenhang mit der Erlangung akademischer Grade und Titel einzuführen. Der Entwurf des Verbandes sieht harte Strafen für wissenschaftliche Täuschungsdelikte vor. So soll derjenige, der eine akademische Qualifikationsarbeit für einen Dritten verfasst, mit einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren belegt werden. Weiter soll derjenige, der sich einen wissenschaftlichen Leistungsnachweis verfassen lässt und als seinen ausgibt, ohne der Urheber zu sein, ebenso mit einer Geld- oder einen Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden. Der Gesetzgeber (Kabinett Merkel II) sah damals keinen Handlungsbedarf und -spielraum für eine solche Initiative. Im Frühling 2015 bekräftigte der Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes, in einem Interview mit der Zeit Online, die Forderung, nach einer härteren Gängelung jener, die sich ein derartiges wissenschaftliches Fehlverhalten zu Schulden kommen lassen.
 
Wie einheitliche Rahmenbedingungen an Hochschulen Ghostwriting minimieren könnten?
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Die deutschen Hochschulen sind im Umgang mit Ghostwriting nicht untätig. Besonders die Verbesserung des Betreuungsangebotes für Studierende und angehende Absolventen, soll der Ghostwriting-Praxis beikommen. Unter dem Aspekt, dass viele Ghostwriting-Agenturen mit Hilfestellung und Unterstützung werben und dadurch suggerieren, die Studierenden aufzufangen, wenn diesen der universitäre Alltag, mit seinen zahlreichen Herausforderungen, über den Kopf hinaus wächst, scheint es nur ein logischer Schritt zu sein, dass die Hochschulen, durch eine Verbesserung der Betreuungsangebote, diese Aufgabe noch entschiedener unter ihrem Dach bewerkstelligen wollen. Unabhängig davon, sollten sich die Akteure des Wissenschaftsbetriebs darüber einig sein, dass sowohl das Anbieten als auch die Inanspruchnahme von Ghostwriting-Dienstleistungen keine Kavaliersdelikte sein dürfen. – Gleicheres gilt für Verstöße gegen die Regelungen der Eidesstattlichen Versicherung. In diesem Zusammenhang wäre es alsdann begrüßenswert, wenn sich die deutschen Hochschulen auf eine für alle gleichermaßen geltende Form zur Erklärung der Selbstständigkeit und der guten wissenschaftlichen Praxis für Leistungs- und Qualifikationsnachweise verständigen würden. Aktuell arbeiten die Hochschulen diesbezüglich mit unterschiedlichen Verfahrenstechniken. Während einige von ihren Prüfungskandidaten eine Eidesstattliche Versicherung fordern, genügt an anderen Universitäten und Hochschuleinrichtungen eine Ehrenwörtliche Erklärung oder auch eine Selbstständigkeitserklärung. Wünschenswert wäre eine die gesamte deutsche Hochschullandschaft abdeckende Einführung der Versicherung an Eides statt und zwar für alle wissenschaftlichen Leistungsnachweise und Qualifikationsarbeiten. Anders als die Ehrenwörtliche Erklärung oder die Selbstständigkeitserklärung, bei denen es sich lediglich um bloße Formsachen handelt, steht die Eidesstattliche Erklärung in einem konkreten Bezug zum Strafgesetzbuch, welcher der Versicherung an Eides statt den Charakter der Verbindlichkeit verleiht. Verstöße gegen eine Eidesstattliche Erklärung werden dadurch, sofern man eine derartige Täuschung nachweisen kann, strafrechtlich verfolgbar. Dabei sollten die Studierenden im Rahmen der Versicherung an Eides statt stets die Selbstständigkeit der zur Korrektur und Benotung eingereichten Qualifikationsleistung, aber auch das regelkonforme gute wissenschaftliche Arbeiten garantieren müssen. – Die Prüfungskandidaten sichern damit rechtlich verbindlich – und vor allem strafbewehrt – zu, die Leistung eigenständig (Ausschluss von Ghostwriting) als auch der guten wissenschaftlichen Praxis folgend (Ausschluss von erheblichen Zitationsverstößen beziehungsweise Plagiaten) erarbeitet zu haben.
 
Warum akademisches Ghostwriting für alle daran Beteiligten ein Strafttatbestand werden muss?
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Sowohl hinsichtlich einer Täuschung durch akademisches Ghostwriting, aber auch bezüglich der Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis reichen Appelle an die Integrität der Absolventen und Doktoranden alleine nicht mehr aus. Zwar unterhalten die meisten deutschen Hochschulen einen sogenannten Ehrenkodex, der über vorbildliches Arbeiten im akademischen Kontext universitärer Studien- und Qualifikationsarbeiten Auskunft gibt und welchem die Hochschulangehörigen verpflichtet sein sollten, eine Methode, dem Ghostwriting per se Einhalt zu gebieten, sind diese Kodizes aber nicht. Ghostwriting ist nicht nur eine schwer nachzuverfolgende Praxis der wissenschaftlichen Täuschung, sondern auch ein erhebliches Foulspiel gegenüber all jenen Studierenden, die sich verpflichtet fühlen, im Bezug auf die eigene Hochschule sowie die Kommilitonen, integer und aufrichtig zu agieren. Ghostwriting-Dienstleister nutzen den Arbeits- und Leistungsdruck während der Studien- und Qualifikationsphase der Studierenden durch das Suggerieren von partner- und freundschaftlicher Unterstützung aus, um eigene wirtschaftliche Interessen im rechtlich kaum definierten Raum zu verfolgen. Das Bestreben muss also darin bestehen, kontinuierlich die Betreuungsangebote an den Hochschulen zu verbessern, um die Ghostwriting-Anbieter überflüssig zu machen, diesen aber zugleich, durch eine Gesetzesinitiative, das Geschäftsmodell ihrer Dienstleistungs-Praxis zu illegalisieren. – Schutzbehauptungen vieler Ghostwriting-Agenturen, in denen die Legalität des Ghostwritings dadurch betont werden soll, dass man keine abgabefertigen Arbeiten, sondern lediglich Mustervorlagen verfasst, sollen zukünftig keinen rechtlichen Bestand mehr haben.

Warum es kein legales Wissenschafts-Ghostwriting geben kann?

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Grundsätzlich sind bei der rechtlichen Auseinandersetzung zur Ghostwriting-Praxis stets zweierlei Aspekte zu betrachten. Zum einen die bestehenden Regelungen, die für Verstöße gegen eine Eidesstattliche Erklärung greifen und zum anderen jene Handhabung, welche sich für das Anbieten und Inanspruchnehmen von Ghostwriting-Dienstleistungen manifestieren soll. Bezüglich des Umgangs mit Ghostwriting-Agenturen ist die aktuelle Rechtsprechung überaus liberal, da sie davon ausgeht, dass Dienstleistern, die legales Ghostwriting anbieten, der Markt zum Offerieren ihrer Dienstleistungsgebote offenstehen muss. – Diese Anbieter verstehen ihr Angebot oftmals nur als Unterstützung und Hilfsmöglichkeit für die Studierenden, ihre Produkte nennen sie Mustervorlagen und in ihren Verträgen weisen sie darauf hin, dass das Einreichen nicht eigenständig verfasster Qualifikationsarbeiten nicht gestattet ist. Gegner dieser Praxis sehen darin bereits den vom Deutschen Hochschulverband beschriebenen Wissenschaftsbetrug. Denn fraglich bleibt natürlich, ob die Dienstleistungs-Anbieter einer derartigen Naivität anheimgefallen sind und annehmen, dass Auftraggeber, welche oftmals mehrere Tausende an Euro für das Abfassen einer sogenannten Vorlage ausgeben, weiterhin akzeptieren, dass die notwendige Eigenständigkeit der Leistung nur dann gewährleistet werden kann, wenn die Mustervorlagen so grundlegend und rudimentär gehalten sind, dass der größte Teil der Arbeit, aufgrund der Ausarbeitung der Vorlage, durch den Kunden selbst noch zu erbringen ist. Für die Praxis ist wohl durchaus anzunehmen, dass die Dienstleister ihren Auftraggebern die beauftrage Qualifikationsarbeit in abgabefertiger Form verfassen, dabei sowohl die Formatierungs- als auch Lektoratstätigkeiten übernehmen und dem Kunden abschließend einen zum sofortigen Einreichen erstellten Leistungsnachweis übermitteln. Sofern alle Vertragsparteien in diesem System Diskretion und Stillschweigen bewahren, scheint Ghostwriting eine besonders effektive Form der Wissenschaftstäuschung zu sein, da sich Arbeiten von Ghostwritern eben nicht von Leistungsnachweisen anderer, redlich arbeitender Studierender, unterscheiden lassen. Wahrscheinlich bleibt so auch der Verstoß gegen die Versicherung an Eides statt unbemerkt. Dieses Dilemma lässt sich nur schwerlich auflösen, da keiner der Vertragspartner Interesse am Aufbrechen der vereinbarten Anonymität und des gegenseitigen Schutzes hat. Solange es daher nicht möglich ist, Einzeltäter für ihr wissenschaftskriminelles Handeln zu belangen, muss die gesetzliche Möglichkeit geschaffen werden, den Anbietern von akademischen Ghostwriting-Dienstleistungen das Geschäftsmodell zu erschweren. So sollte eine gesetzliche Regelung auch etwaige Fluchtversuche in rechtliche Grauzonen, wie sie etwa in den Wortkonstrukten Mustervorlage oder Schreibvorlage bestehen, verunmöglichen.