Ist Wissenschafts-Ghostwriting eine Täuschung?


Wer an einer deutschen Hochschule eine wissenschaftliche Studien- beziehungsweise Qualifikationsarbeit zur Begutachtung zum Zwecke der Erlangung eines akademischen Leistungsnachweises oder einer Graduierung einreicht und die Eigenleistung der Studie in der zu jeder Hochschularbeit gehörenden unterzeichneten Eidesstattlichen Versicherung garantiert, ohne dabei die Leistung selbst erbracht zu haben, sondern lediglich eine fremde Leistung als solche ausgibt, begeht eine Täuschung.

Die sogenannte Eidesstattliche Versicherung oder auch Versicherung an Eides statt ist ein fester Bestandteil im akademischen Leistungsprozess; sie ist allen von Studierenden verfassten Studien- sowie Qualifikationsarbeiten beizufügen und zu unterzeichnen. – Sie soll die wissenschaftliche Integrität der Absolventen sichern. Inhaltlich berührt eine solche Erklärung zwei Aspekte. Zum einen wird die Selbstständigkeit des eingereichten Leistungsnachweises garantiert und zum anderen versichern die Studierenden, dass sie lediglich jene Ressourcen, welche im Literatur- und Quellenverzeichnis der Arbeit gelistet werden, zum Verfassen des Textes herangezogen haben. Wer nun eine durch einen Ghostwriter erarbeitete Studie als eigene Leistung deklariert, bricht die Eidesstattliche Erklärung und macht sich der Täuschung verantwortlich. Sollte der Ghostwriter Kenntnis davon haben, dass die von ihm verfasste Arbeit als eine Leistung einer anderen Person ausgegeben und eingereicht werden wird, macht sich der Ghostwriter der Mitwisserschaft zu dieser Täuschung schuldig.

Verstöße gegen die garantierte Selbstständigkeit einer wissenschaftlichen Leistung können von den Hochschulen mit dem Nicht-Bestehen der Prüfung, dem Ausschluss von der Wiederholungsprüfung, mit Exmatrikulation oder – bei wissenschaftlichen Abschlussarbeiten – auch mit der Aberkennung des akademischen Grades geahndet werden. Des Weiteren können Verstöße gegen eine Versicherung an Eides statt nach § 156 des Strafgesetzbuches strafrechtlich belangt werden; dabei sind Geld- und Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren möglich. Aus juristischer Sicht gibt es dabei einen Unterschied zwischen den Begriffen Eidesstattliche Erklärung und der an Universitäten und Hochschulen noch häufig benutzten sogenannten Selbstständigkeitserklärung.


Die Eidesstattliche Erklärung steht an Eides statt und stellt einen konkreten Bezug zu den §§ 156, 158 und 161 des Strafgesetzbuches her; die Selbstständigkeitserklärung tut dies nicht, weswegen man hier auch von einer ehrenwörtlichen Erklärung, im Sinne von Ich gebe dir mein Ehrenwort, spricht. Ein Verstoß gegen eine Eidesstattliche Erklärung kann die bereits oben genannten rechtlichen Folgen zur Konsequenz haben. Bei einer Versicherung an Eides statt handelt es sich nämlich um eine verbindliche Zusicherung und nicht nur, wie etwa bei einer bloßen Selbstständigkeitserklärung, um eine reine Formsache.