Kann es legales Wissenschafts-Ghostwriting geben?


Grundsätzlich sind bei der rechtlichen Auseinandersetzung zur Ghostwriting-Praxis stets zweierlei Aspekte zu betrachten. Zum einen die bestehenden Regelungen, die für Verstöße gegen eine Eidesstattliche Erklärung greifen und zum anderen jene Handhabung, welche sich für das Anbieten und Inanspruchnehmen von Ghostwriting-Dienstleistungen manifestieren soll.

Bezüglich des Umgangs mit Ghostwriting-Agenturen ist die aktuelle Rechtsprechung überaus liberal, da sie davon ausgeht, dass Dienstleistern, die legales Ghostwriting anbieten, der Markt zum Offerieren ihrer Dienstleistungsgebote offenstehen muss. – Diese Anbieter verstehen ihr Angebot oftmals als Unterstützung und Coaching für die Studierenden, ihre Produkte nennen sie Mustervorlagen und in ihren Verträgen weisen sie darauf hin, dass das Einreichen nicht eigenständig verfasster Qualifikationsarbeiten nicht gestattet ist. Gegner dieser Praxis sehen darin bereits den vom Deutschen Hochschulverband beschriebenen Wissenschaftsbetrug. Denn fraglich bleibt natürlich, ob die Dienstleistungs-Anbieter einer derartigen Naivität anheimgefallen sind und annehmen, dass Auftraggeber, welche oftmals mehrere Tausende an Euro für das Abfassen einer sogenannten Vorlage ausgeben, weiterhin akzeptieren, dass die notwendige Eigenständigkeit der Leistung nur dann gewährleistet werden kann, wenn die Mustervorlagen so grundlegend und rudimentär gehalten sind, dass der größte Teil der Arbeit, aufgrund der Ausarbeitung der Vorlage, durch den Kunden selbst noch zu erbringen ist.

Für die Praxis ist wohl durchaus anzunehmen, dass die Dienstleister ihren Auftraggebern die beauftrage Qualifikationsarbeit in abgabefertiger Form verfassen, dabei sowohl die Formatierungs- als auch Lektoratstätigkeiten übernehmen und dem Kunden abschließend einen zum sofortigen Einreichen erstellten Leistungsnachweis übermitteln. Sofern alle Vertragsparteien in diesem System Diskretion und Stillschweigen bewahren, scheint Ghostwriting eine besonders effektive Form der Wissenschaftstäuschung zu sein, da sich Arbeiten von Ghostwritern eben nicht von Leistungsnachweisen anderer, redlich arbeitender Studierender, unterscheiden lassen. Wahrscheinlich bleibt so auch der Verstoß gegen die Versicherung an Eides statt unbemerkt.

Dieses Dilemma lässt sich nur schwerlich auflösen, da keiner der Vertragspartner Interesse am Aufbrechen der vereinbarten Anonymität und des gegenseitigen Schutzes hat. Solange es daher nicht möglich ist, Einzeltäter für ihr wissenschaftskriminelles Handeln zu belangen, muss die gesetzliche Möglichkeit geschaffen werden, den Anbietern von akademischen Ghostwriting-Dienstleistungen das Geschäftsmodell zu erschweren. So sollte eine gesetzliche Regelung auch etwaige Fluchtversuche in rechtliche Grauzonen, wie sie etwa in den Wortkonstrukten Mustervorlage oder Schreibvorlage bestehen, verunmöglichen.